Der Oktober brachte eine Reihe von Cybersicherheitsvorfällen mit sich, die Ronaldo Lemos als Wendepunkt bezeichnet. In seiner Meinungskolumne argumentiert er, dass künstliche Intelligenz die Entdeckung von Schwachstellen und deren Nutzung bei Angriffen beschleunigt und schnelle Reaktionen für Sicherheitsteams unerlässlich macht.
Die Kolumne berichtet von mehreren Ereignissen im Laufe des Monats. Am 6. Oktober erklärte der Präsident von JPMorgan, das Risiko von Cyberangriffen sei durch Frontier-KI um das Zehnfache gestiegen. Am 12. Oktober führte ein Angriff in Frankreich Berichten zufolge dazu, dass die Gefriertruhen in Supermärkten 50 °C erreichten. Das verursachte Lebensmittelverluste und kleinere Brände in mehreren Geschäften. Am folgenden Tag sperrte JPMorgan den Zugriff von KI-Agenten seiner Kunden auf seine Systeme; andere Banken folgten diesem Beispiel.
Am 17. Oktober zeigten sich Hinweise auf Schwachstellen in PHP, einer weitverbreiteten Internetinfrastruktur. Die als PHP2Shell bekannten Fehler könnten es ermöglichen, Code auf einem Server ohne Anmeldung auszuführen. Ihre Existenz wurde am 20. Oktober öffentlich bekannt gemacht; zugleich wurden Korrekturen bereitgestellt. Lemos zufolge bestanden die Schwachstellen seit 14 Jahren, und KI trug zu ihrer Entdeckung, Ausnutzung und Behebung bei.
Behörden und Organisationen machten sich daran, die Korrekturen anzuwenden. Die Niederlande nahmen ihre Website für die digitale Identität vom Netz, ebenso Finnland und Frankreich ihre Regierungswebsites. In Brasilien setzten Anatel und mehrere Gerichte ihre Dienste aus, bis die Patches installiert waren. Lemos warnt, dass Systeme ohne eingespielte Patches weiterhin einem ernsten Risiko ausgesetzt sind.
Weitere Vorfälle folgten. Am 23. Oktober erklärte ein US-amerikanischer Cybersicherheitsexperte Berichten zufolge, dass 3 % aller Schwachstellen der digitalen Geschichte in den vorangegangenen 30 Tagen aufgetreten seien. Die Kolumne berichtet, dass Angriffe auf der ganzen Welt Unternehmen und Nutzer anschließend dazu veranlassten, digitale Schlüssel auszutauschen und Notfallmaßnahmen zu ergreifen.
Lemos berichtet außerdem, dass Binance am 29. Oktober mitteilte, ein Angriff habe Kryptowährungen im Wert von 6,3 Milliarden US-Dollar umgeleitet. Das Unternehmen setzte Auszahlungen während der Untersuchung aus und beeinträchtigte damit Nutzer weltweit, auch in Brasilien. Der Vorfall wurde auf einen Angriff auf den Laptop eines internen Entwicklers zurückgeführt. Lemos zufolge wirft dies Fragen dazu auf, wie ein einzelnes Gerät Zugriff auf die Gelder einer so großen Zahl von Nutzern ermöglichen konnte.
Lemos argumentiert, dass der Oktober nicht als isolierter Vorfall betrachtet werden sollte. Er warnt, dass KI-gestützte Angriffe brasilianische Regierungssysteme und kritische Infrastrukturen, darunter Pix, gefährden könnten, und sagt, das Land müsse seine Schwachstellen im Bereich der Cybersicherheit ernst nehmen.
Quellen: Folha Mercado.