Frankreichs öffentliche Finanzen stehen unter Druck: Die Defizite halten an, die Schulden steigen, und höhere Zinssätze verteuern nach und nach deren Bedienung. Die Ökonomen Jérôme Creel und Jonas Kaiser sagen, das Land müsse über die Einhaltung europäischer Haushaltsverpflichtungen hinausblicken. Sie weisen darauf hin, dass die Finanzmärkte den Zinsabstand zwischen Frankreich und Deutschland weiter vergrößert haben.

In einem Meinungsbeitrag in Le Monde argumentieren die Ökonomen, bei der Debatte über Sparmaßnahmen müssten deren wirtschaftliche und soziale Folgen berücksichtigt werden, nicht nur die buchhalterische Seite. Milliarden bei den Ausgaben zu kürzen oder Steuern zu erhöhen könne sich auf die Wirtschaftsaktivität auswirken, schreiben sie. Dass frühere Anstiege der öffentlichen Defizite nur begrenzte Auswirkungen hatten, bedeute nicht, dass deren Abbau schmerzlos sein werde.

Creel und Kaiser betonen außerdem, dass Defizite unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen haben. Manche wachsen automatisch, wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, etwa weil die Arbeitslosenleistungen steigen und die Steuereinnahmen sinken. Andere sind das Ergebnis politischer Entscheidungen, zum Beispiel einer Senkung der Unternehmenssteuern oder der Auflegung eines Konjunkturprogramms, um den ökologischen Wandel zu beschleunigen.

Der Zeitpunkt und der Zweck dieser Entscheidungen seien wichtig, argumentieren sie. Ein Defizit könne dazu beitragen, die Wirtschaft nach einer Rezession zu stabilisieren oder strategische Branchen mit Zukunftspotenzial zu unterstützen. Ausgaben zum falschen Zeitpunkt könnten jedoch die Inflation anheizen oder schrumpfende Branchen stützen. Die Autoren warnen daher, undifferenzierte Sparmaßnahmen bei nachlassender Wirtschaftsaktivität und steigender Arbeitslosigkeit könnten sich als besonders kostspielig erweisen.

Quellen: Le Monde Économie.