Gewerkschaften und Organisationen für das Recht auf Wohnen aus sieben europäischen Ländern haben für den 20., 21. und 22. November zu koordinierten Demonstrationen gegen die steigenden Lebenshaltungskosten aufgerufen. Vertreterinnen und Vertreter trafen sich am 3. November in Paris und erklärten, sie hofften, „Millionen“ Menschen auf die Straßen zu bringen – eine Mobilisierung dieser Größenordnung, die sie als beispiellos bezeichneten.
Die teilnehmenden Länder sind Frankreich, Spanien, Italien, das Vereinigte Königreich, Portugal, Griechenland und Belgien. Zu ihren Forderungen gehören Garantien für das Recht auf Wohnen sowie eine Kontrolle der Preise für Wohnraum, Lebensmittel und Energie. Außerdem fordern sie höhere Löhne und Renten, stärkere öffentliche Dienstleistungen, darunter Bildung und Gesundheitsversorgung, sowie mehr öffentlichen Wohnraum.
Zu den weiteren Forderungen, die bei dem Treffen vorgestellt wurden, zählen der Schutz des Zugangs von Migrantinnen und Migranten zur Arbeit, die Besteuerung Wohlhabender und ein Ende der Politik zur Unterstützung der Wiederaufrüstung und des Ausbaus fossiler Brennstoffe. Unterstützt wird der Aufruf von den französischen Gewerkschaften CGT und Solidaires, dem Verein für das Recht auf Wohnen Droit au logement sowie Vertreterinnen und Vertretern der Koordination der Gelbwesten.
Die Organisatoren erklärten, die Demonstrationen seien eine Reaktion auf die stark steigenden Lebenshaltungskosten und auf das, was sie als unzureichendes Handeln der Regierungen ansehen. Wohnraum ist ein zentrales Thema der Bewegung: Die Wohnungspreise in der EU stiegen zwischen 2010 und 2025 um mehr als 60 Prozent, während die Mieten um etwa 29 Prozent zunahmen. Im Jahr 2024 gaben mehr als 16,5 Millionen europäische Haushalte über 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnraum aus. Das entspricht 8,2 Prozent der Haushalte in der EU.
Die geplanten Proteste finden vor dem Hintergrund von Demonstrationen und Arbeitskämpfen in mehreren Ländern statt. In Spanien folgten Proteste zum Thema Wohnen auf die Zwangsräumung der 87-jährigen Bewohnerin Maricarmen Abascal in Madrid im September; sie starb wenige Tage später. Die großen Gewerkschaften des Landes haben für den 11. November einen Generalstreik zu den Themen Wohnen und Löhne ausgerufen. In Portugal entstanden im Oktober Protestcamps in Lissabon und Porto, während ein Studierendenverband für den 20. November in 20 Ländern einen Jugendstreik gegen fossile Brennstoffe koordiniert.
Auch unter jungen Menschen in Frankreich, Griechenland und Deutschland gab es Proteste, während an Demonstrationen in Italien Studierende, Hafenarbeiter, Lastwagenfahrer und Landwirte beteiligt waren. Ein Vertreter einer italienischen Gewerkschaft erklärte, die Regierung gehe nicht auf die Sorgen der Menschen ein.
Quellen: Le Monde Économie.