Eine Verschlechterung der Anlegerstimmung nach der Wiederwahl von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat den Druck auf den geldpolitischen Ausschuss Brasiliens (Copom) erhöht, seinen Zinssenkungszyklus bei der nächsten Sitzung zu stoppen. Der Selic-Satz liegt bei 13,75 % pro Jahr, und viele Marktteilnehmer haben ihre Erwartung einer weiteren Senkung um 0,25 Prozentpunkte aufgegeben.

Ökonomen nannten eine schwächere Währung, fiskalische Unsicherheit, steigende Terminzinsen und höhere Ölpreise als Faktoren, die die Bemühungen zur Inflationskontrolle erschweren. Der frühere Zentralbankpräsident Gustavo Loyola sagte, er neige nun dazu, die Zinsen unverändert zu lassen, schließe eine Senkung auf 13,5 % jedoch nicht aus. Er argumentierte, die Zentralbank habe nur begrenzte Möglichkeiten, auf Druckfaktoren zu reagieren, die außerhalb ihrer Kontrolle lägen, darunter ein weniger günstiges internationales Umfeld und expansive fiskalische Maßnahmen.

Loyola sagte, ein klarerer Ausblick hänge davon ab, dass die Regierung signalisiere, die Staatsverschuldung mit strukturellen fiskalischen Maßnahmen angehen zu wollen. Ohne solche Signale könne die Geldpolitik Haushalte und Unternehmen belasten, ohne die beabsichtigte Wirkung zu erzielen.

Auch der frühere Zentralbankdirektor Sérgio Werlang erwartet, dass der Copom eine Pause einlegt. So hätten die Entscheidungsträger Zeit zu prüfen, ob Veränderungen des Wechselkurses und der Inflationserwartungen vorübergehend oder dauerhaft seien. Er warnte, die Währung könne weiter abwerten, falls die nächste Regierung denselben fiskalischen Kurs wie während Lulas vorheriger Amtszeit verfolge. Der Dollar schloss am Freitag bei 5,447 Real, nach einem Wochenanstieg von 9,18 % – dem stärksten seit 18 Jahren, wie aus dem Bericht hervorgeht.

Werlang warnte, ein starker Anstieg der öffentlichen Ausgaben könne zu fiskalischer Dominanz führen – einer Situation, in der die Geldpolitik ihre Fähigkeit verliert, die Inflation zu kontrollieren. In diesem Fall könnten höhere Zinsen das Preiswachstum möglicherweise nicht bremsen, sagte er.

Fernanda Guardado, eine frühere Zentralbankdirektorin und Chefökonomin für Lateinamerika bei BNP Paribas, sagte, der Copom solle auf den schlechteren Inflationsausblick reagieren, um die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik zu schützen. Sie erwartet, dass die Inflationsprognose für 2027 in der Focus-Umfrage der Zentralbank über 5 % liegen wird und damit über der Obergrenze des Zielkorridors von 4,5 %. Als Risiken verwies sie zudem auf mögliche Kraftstoffpreiserhöhungen, Änderungen im Arbeitsrecht und eine Steuerreform.

Guardado spricht sich dafür aus, die Zinsen bis März unverändert zu lassen. Dann hätte die Zentralbank mehr Informationen zu Lebensmittelpreisen, Wirtschaftstätigkeit, Haushaltsplänen und Inflationserwartungen. Ein niedrigerer Selic-Satz wäre derzeit nicht damit vereinbar, die Inflation bis Mitte 2028 in Richtung des Ziels von 3 % zu bringen, sagte sie.

Alberto Ramos, Leiter der makroökonomischen Lateinamerika-Forschung bei Goldman Sachs, sagte, er habe bereits vor der Wahl keinen Spielraum für Zinssenkungen gesehen, und der Ausblick habe sich seither weiter eingetrübt. Er verwies auf den Inflationsdruck und die geringere Wahrscheinlichkeit eines glaubwürdigen fiskalischen Ankers. Die Zinsen sollten für die nächsten zwei oder drei Sitzungen unverändert bleiben, bevor die Entscheidungsträger die Lage neu bewerteten, fügte er hinzu.

Rafaela Vitória, Chefökonomin bei Banco Inter, gehört zu der Minderheit, die eine weitere Senkung erwartet. Sie prognostiziert eine Reduzierung um 0,25 Prozentpunkte auf 13,5 %, gefolgt von einer Pause bei der Sitzung im Dezember. Ihrer Ansicht nach wäre dieser Zinssatz weiterhin restriktiv genug, um die für Anfang 2027 erwarteten Inflationsschocks abzufedern.

Quellen: Folha Mercado.